Wahlprogramm:
Bildung, Kultur & Teilhabe im Landkreis Hildesheim
Bildung
Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig, das zeigt sich vor allem in unserer Schul- und Bildungslandschaft. In unseren Kitas und Schulen kommen Kinder und Jugendliche mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen zusammen:
- Kinder aus sozial benachteiligten und aus privilegierten Familien
- Schüler*innen mit sprachlichen, kognitiven und anderen Unterstützungsbedarfen
- Kinder mit besonderen Begabungen oder auch besonderem elterlichen Leistungsdruck
- junge Menschen mit Fluchtgeschichte
- queere Jugendliche
- Kinder mit internationaler Familiengeschichte
Diese Vielfalt nehmen wir als enorme Herausforderung für Lehrkräfte und schulisches Personal wahr. Gleichzeitig bietet sie die Chance für unsere gesellschaftliche Zukunft.
Bildung ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.
Alle Menschen haben ein Recht darauf, dass ihnen optimale Bildungschancen offenstehen.
Bildungspolitik ist in erster Linie Ländersache. Jedoch steht der Landkreis in der Verantwortung für die räumliche Ausstattung der Schulen, für ein gutes KiTa- und Krippenangebot, für strategische Schulentwicklungsplanung und für die Bildungsberatung.
Wir setzen uns dafür ein, dass
- die Schulen räumlich lernfördernd und jugendgerecht gestaltet werden, das gilt auch für die Außenanlagen.
- Schuleinzugsbezirke für die Grundschulen beibehalten und möglichst so zugeschnitten werden, dass die Schulen eine vielfältige Schüler*innenschaft haben. Dadurch entsteht mehr Bildungsgerechtigkeit in den Städten und Gemeinden.
- die Umgestaltung unserer Schulen zu inklusiven Lernorten weiter vorangetrieben wird. Gleichzeitig wünschen sich nicht alle Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf für ihre Kinder die allgemeinbildende Schule. Auch diesem Anspruch wollen und müssen wir gerecht werden.
- ein wohnortnahes Angebot an Sprachlernklassen an allen Schulformen etabliert wird, denn Sprache ist der Schlüssel zur Integration.
- mit der digitalen Ausstattung unserer Schulen und aller Schüler*innen ein digitales Lernen für alle möglich ist.
- es einen kommunalen Fördertopf für Demokratieprojekte von Schüler*innen geben wird, denn unsere Demokratie ist aktuell durch Rechtsextremismus und Fake-News akut bedroht.
- das Angebot unserer Volkshochschulen insbesondere im Bereich der Sprachkurse bedarfsgerecht ausgebaut wird und die Dozent*innen besser bezahlt werden.
KiTa und frühkindliche Bildung
Je früher Kinder an Bildungsangeboten teilhaben, desto besser sind ihre Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb hat frühkindliche Bildung eine enorme Bedeutung für die Integration – sprachlich wie auch sozial. Auch die Herkunftsfamilien profitieren davon, wenn sie von den Bildungseinrichtungen mitgenommen werden.
Um für Eltern eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen, ist es wichtig, wohnort- oder arbeitsnahe und zeitlich flexible Krippen- und KiTa – Plätze zur Verfügung zu stellen. Wenn – vor allem im ländlichen Raum – die KiTa nur per Auto zu erreichen ist, kann dies eine Barriere für Familien darstellen, die z.B. kein Auto besitzen (oder „nur“ eins) und die betroffenen Kinder somit von der Teilhabe an frühkindlicher Bildung ausschließen.
Deshalb setzen wir uns ein für:
- eine Reduktion der Bürokratie (z.B. digitale Tools und spezialisierte Verwaltungskräfte), damit mehr Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Kindern bleibt.
- die Förderung baulicher Maßnahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit bzw. Klimafreundlichkeit, Optimierung der pädagogischen Arbeit (Ausstattung, Material, Platz) und in Hinsicht auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen der nächsten Jahrzehnte (steigende Temperaturen, stärkere Sonneneinstrahlung, Trockenheit, Hochwasserereignisse).
- Tagespflegepersonen, die als vollwertige Betreuung anerkannt und bezahlt werden, damit den Eltern das Wahlrecht zwischen Tagespflege und Krippe erhalten bleibt. Nur so kann es gelingen, auch Personen außerhalb von Teilzeitstellen, in Schichtarbeiten und außerhalb üblicher Bürozeiten Betreuungsplätze anzubieten.
- ein inklusives und barrierefreies Lernen in allen KiTas.
Schulen
Wer sich als Teil des Ganzen wahrnimmt, wird befähigt in und mit der Welt sinnvoll zu agieren. Ziel muss es also sein, Schulen für kompetenzorientiertes Lernen und zur Bildung für nachhaltige Entwicklung zu befähigen.
Kompetenzorientiertes Lernen ist Grundlage für eine zukunftsfähige Entwicklung jedes Einzelnen und unserer Gesellschaft insgesamt. Darum wollen wir die Schulen weiterhin dabei unterstützen, die notwendigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen und zu erhalten. Auch ist es eine wichtige Aufgabe, dass alle Schüler*innen Nachhaltigkeit lernen. Alle Schüler*innen sollen darin unterstützt werden, die Folgen ihres eigenen Handelns zu verstehen und abzuschätzen: hinsichtlich ihres eigenen Lebens und hinsichtlich der (Welt-) Gemeinschaft.
Deshalb setzen wir uns für die folgenden Punkte ein:
- Die Ganztagsbeschulung ist eine wertvolle Erweiterung der schulischen Betreuung. Sie stellt gegenüber dem Hort eine wesentliche Verbesserung da. Die unentgeltliche Teilnahme von Schüler*innen verbessert grundsätzlich ihre Bildungschancen. Für den personellen, organisatorischen und inhaltlichen Rahmen sind grundsätzlich die Schulen und damit das Land zuständig. Der Landkreis kann hier aber bei der nachmittäglichen Angebotsvermittlung seinen Beitrag leisten. Wir als GRÜNE setzen uns dafür ein, dass die Schulen finanziell und organisatorisch bei dieser Aufgabe unterstützt werden.
- Bedarfsgerecht weitere Gesamtschulplätze zu schaffen, damit alle Schüler*innen die einen Platz in einer integrierten Gesamtschule möglichst mit integrierter Oberstufe haben wollen, diesen auch möglichst wohnortnah bekommen. Denn wir sind überzeugt, dass längeres gemeinsames Lernen die Bildungsgerechtigkeit stärkt und die Bildungschancen für alle verbessert.
Berufsschulen
Wir fordern eine zeitgemäße und gut erreichbare Berufsschulinfrastruktur für den gesamten Landkreis. Berufsschulen müssen zentral gelegen, barrierefrei und an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden sein. Da die Gebäude in die Jahre gekommen sind, müssen notwendige bauliche Maßnahmen durchgeführt werden. Dabei bleiben die Berufsschulstandorte erhalten und es wird im Bestand saniert und erweitert.
Eine digitale Ausstattung auf dem neuesten Stand sowie ein klimagerechtes und nachhaltiges Gebäude sind dabei unverzichtbar. Berufsschulen sind Orte, an denen Bildung, soziale Begegnung und Zukunftsperspektiven miteinander verbunden werden.
Dazu bedarf es entsprechend der digitalen Entwicklung berufsbezogener Projekträume, einer modernen Ausstattung mit berufstypischen technischen Anlagen und Geräten und eines hochwertigen technischen Supports.
Auch sollen unsere berufsbildenden Schulen verstärkt zu Orten lebenslangen Lernens werden, denn die Digitalisierung fordert von den Beschäftigten, sich entsprechend der sich immer schneller verändernden Anforderungen weiterzubilden.
Dafür müssen die berufsbildenden Schulen entsprechend ausgestattet werden.
Sport
Der Sport im Landkreis ist vielfältig und reicht vom Breitensport über den Gesundheitssport bis zum Leistungssport.
Miteinander gewinnen und verlieren können, eigene persönliche Bestleistungen erreichen und in Gemeinschaft Sport treiben, sind wichtige Erfahrungen in allen Altersgruppen. Das ehrenamtliche Engagement im Sport sorgt in hohem Maße für die Tragfähigkeit des sozialen
Netzes.
Wir GRÜNEN wollen Kindertagesstätten motivieren, Sport zu einem wesentlichen Bereich der Kindertagesstätten zu machen.
Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass
- das ehrenamtliche Engagement erhalten, ausgebaut und wertgeschätzt wird.
- Bewegung und sportliche Betätigung in Kindertagesstätten und Schulen vorangebracht wird.
- Sportangebote für alle Menschen im Landkreis unabhängig von einer etwaigen Verbandszugehörigkeit gefördert werden.
Kultur
Die Förderung von Kunst und Kultur ist für den Landkreis eine wichtige Aufgabe, die dieser in Abstimmung mit den Gemeinden vor allem in der Funktion eines Dienstleisters wahrnimmt. Er bietet fachliche Beratung und Unterstützung, vermittelt Kontakte, bietet Informations- und Fortbildungsveranstaltungen an und initiiert Veranstaltungen.
Wir GRÜNEN setzen uns dafür ein, die Förderung der freien Kulturszene aufrechtzuerhalten und ihre Existenz zu sichern.
In der Kulturförderung müssen die vielfältigen Fördertöpfe in ihrer Mittelvergabe und in ihren Entscheidungen koordiniert werden.
Wir GRÜNEN setzen uns für eine einheitliche und transparente Kulturförderung ein. Das Kulturbüro soll dafür durchschaubare Vorschläge und Strategien entwickeln, kontinuierlich anpassen und verbessern, sodass sowohl die Mittelvergabe als auch die Weiterentwicklung der bisherigen Kulturpolitik einen wichtigen Baustein der Regionalentwicklung darstellt.
Bürger*innenbeteiligung
Wir GRÜNEN setzen uns für eine politisch aktive Gesellschaft ein, in der alle Menschen im Landkreis ihr Recht auf politische Teilhabe wahrnehmen können.
Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen mit Migrationshintergrund einen einfacheren Zugang zur Politik bekommen. Hierzu wollen wir den Migrationsbeirat stärken und ausbauen. Mit der Stärkung des Behinderten- und Inklusionsbeirats, wollen wir die politische Teilhabe von Menschen mit Assistenzbedarf erhöhen.
Demokratieförderung
Eine offene Gesellschaft kann nur existieren, wenn elementare Grundbedürfnisse zur Daseinsvorsorge für alle sichergestellt sind, zivilgesellschaftliches Engagement gelebt und gefördert wird und die öffentliche Verwaltung in diesem Sinne den Bürger*innen auf Augenhöhe begegnet.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist kein neues Phänomen, sondern tief in der Gesellschaft verankert. Daher ist es wichtig, hier früh anzusetzen und eine diverse, offene Gesellschaft in allen Bereichen des Lebens zu zeigen und zu fördern.
Inklusion muss von einer offenen Gesellschaft gelebt werden. Deshalb dürfen wir nicht wegschauen, wenn Menschen aufgrund ihrer Nationalität, Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts oder ihrer Geschlechtsidentität, ihrer sozialen Herkunft, körperlicher oder geistiger Einschränkungen oder ihres Alters ausgegrenzt werden.
Daher müssen wir darauf achten, dass wir Kindern schon früh das Verständnis für Vielfalt und Toleranz gegenüber unbekannten Lebenswirklichkeiten vermitteln.
Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass Programme zur Demokratieförderung, Antidiskriminierung und Unterstützung marginalisierter Gruppen, z.B. Jugend- und Beratungsangebote, gefördert werden. Zudem setzen wir uns für eine Stabsstelle für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung ein.
Ehrenamt
Ein lebendiges und lebenswertes Gemeinwesen ist geprägt von Bürger*innen, die sich einbringen.
Im Landkreis Hildesheim engagieren sich viele Menschen in Sportvereinen, Jugendverbänden, Kultur- und Musikvereinen, sozialen Organisationen, im Umweltschutz, in der Politik, bei der Feuerwehr, in Kirchen, Initiativen und vielem mehr. Dieses Engagement ist freiwillig, nicht auf materiellen Gewinn gerichtet und dient vielen Menschen.
Wir GRÜNEN verstehen dies als einen wertvollen Beitrag zur Förderung von Solidarität und Gemeinsinn in unserer Gesellschaft und dieser verdient deshalb hohe öffentliche Anerkennung.
Ohne den ehrenamtlichen Einsatz vieler Menschen wäre unsere Gesellschaft um viele kulturelle, sportliche und inklusive Angebote ärmer. Diesen Einsatz möchten wir würdigen und die Ehrenamtskarte noch weiter bekannt machen, sowie die Angebote zur Ehrenamtskarte, insbesondere auch für junge Menschen, weiter ausbauen und dafür sorgen, dass ihre Vorteile auch wirklich gewährt werden.
Auch die ehrenamtliche Arbeit vieler junger Menschen möchten wir wertschätzen, indem wir Weiter- und Fortbildungsangebote zur Jugendleiterkarte (Juleika), vor allem zu den Themen Demokratieförderung, Diversität und Antidiskriminierung unterstützen und indem wir bei der Ehrenamtskarte auch nach Angeboten für junge Menschen suchen.
Wir GRÜNE setzen uns aktiv für eine Strategie zur Stärkung des Ehrenamts ein, damit das Ehrenamt den Fokus bekommt, den es verdient.
Jugendpartizipation
Das seit 2022 bestehende Jugendparlament des Landkreises Hildesheim (JuPaHil) wird alle zwei Jahre neu gewählt. Wahlberechtigt sind alle Jugendlichen im Alter von zehn bis 22 Jahren im Landkreis Hildesheim. Die Mitglieder des Jugendparlaments vertreten die Interessen der Jugendlichen im Landkreis Hildesheim gegenüber der Kreisverwaltung. Sie sind in allen Ausschüssen als beratende Mitglieder vertreten.
Wir GRÜNEN treten für eine Fortführung und Stärkung des Jugendparlaments als Teil der Demokratieförderung bei jungen Menschen ein.
Um die Arbeit des Jugendparlaments bei jungen Menschen bekannter zu machen, möchten wir, dass Informationen zum Jugendparlament und zur Demokratieförderung für alle Schulformen und Jugendeinrichtungen des Landkreises zugänglich sind. So erhalten auch Jugendliche, die bisher keinen Zugang zur Politik hatten, einen Einblick in demokratische Prozesse und werden motiviert, sich zu beteiligen.
Wir setzen uns dafür ein, dass für die Arbeit des Jugendparlaments auskömmliche finanzielle Mittel in den Haushalten eingestellt werden. Im bisherigen Modell verfügt das Jugendparlament in seinen Wahljahren über unzureichende Mittel für die sonstige inhaltliche Arbeit. Der Haushaltsansatz soll in Wahljahren (2028, 2030, 2032) angepasst werden.
Wir wollen die, bislang vom Kreistag beschlossene, halbe Stelle zur pädagogischen Betreuung des Jugendparlaments auf eine volle Stelle ausweiten. Darüber hinaus soll eine halbe Stelle einer Verwaltungsfachkraft hinzukommen. Mit dem bisherigen Rahmen ist eine sachgerechte Betreuung der Arbeit des Jugendparlaments nicht möglich.
Wir befürworten eine engere Zusammenarbeit zwischen der Kreisverwaltung und den Mitgliedern des Jugendparlaments.
Um junge Menschen stärker in die Kreispolitik einzubinden, möchten wir dem Jugendparlament ein Stimmrecht, mindestens bei jugendrelevanten Themen, in den Kreistagsausschüssen einräumen.