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Kommunalwahl 2026

Bündnis 90/Die Grünen Hildesheim

Wahlprogramm:

Wirtschaft & Arbeit im Landkreis Hildesheim

Wirtschaftsstandort

Für uns GRÜNE ist eine gut funktionierende lokale Wirtschaft eine sehr wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Landkreises.

Unsere Wirtschaft ist geprägt von kleinen und mittleren Betrieben. Über 80 % der Betriebe haben weniger als zehn und nur ca. 5 % mehr als 50 Mitarbeitende. Diese meist inhaber*innengeführten Firmen bilden eine Vielzahl von Branchen ab und bieten ca. 90.000 Mitarbeitenden eine berufliche Heimat, das entsprechende Einkommen sowie die Mehrzahl der Ausbildungsplätze.

Die lokale Wertschöpfung dieser Betriebe ist ein wesentlicher Faktor in unserem Landkreis. Sie sorgen nicht nur für Steuereinnahmen, sondern unterstützen in den Orten und Gemeinden auch Vereine und Organisationen auf vielfältige Weise. Wir treten daher für die Unterstützung und Förderung unserer lokalen Betriebe ein.

Wirtschaftsförderung

Für die Förderung und Unterstützung der lokalen Wirtschaft hat die HI-REG als Wirtschaftsförderung des Landkreises eine zentrale Bedeutung. Die vorhandenen Beratungsleistungen der HI-REG sollen ausgebaut werden und zukünftig auch die Themen Nachhaltigkeit und die Förderung von Frauen in der Wirtschaft umfassen.

Bei allen Fördermaßnahmen und Aktivitäten ist der gesamte Landkreis zu betrachten und alle Orte und Gemeinden sind jeweils nach ihren Standortstärken zu berücksichtigen. Ein wesentlicher Standortfaktor ist die Digitalisierung der Verwaltungen.

Wir GRÜNE setzen uns für folgende Punkte ein:

  • Zur Stärkung von Frauen in der Wirtschaft sollen besondere Netzwerkangebote sowie Start-Up-Beratungen von Frauen angeboten werden.
  • Pop-Up- und Start-Up-Flächen sollen auch in ländlichen Gebieten wie z.B. Nordstemmen, Alfeld, Algermissen und Schellerten angeboten werden können, um auch Gründungen dort vor Ort zu vereinfachen.
  • Die HI-REG stellt sich stärker als bisher auch als Schnittstelle zwischen Schulen, Hochschule und der Universität und den Unternehmen der Region auf. So können sich Forschung und Wissenschaft stärker mit den lokalen Unternehmen vernetzen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
  • Die HI-REG unterstützt hier ggf. gemeinsam mit der Klimaschutzagentur in der Beratung der Unternehmen im „Fördermittel-Dschungel“ für den Klimaschutz.

Gemeinwohlökonomie

Jedes wirtschaftliche Handeln kann nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn die Kriterien der Nachhaltigkeit – Menschenwürde, Solidarität, Transparenz, Ökologie und soziale Gerechtigkeit – im Fokus stehen.

Die Themen Nachhaltigkeit und Gemeinwohlökonomie werden auch für die Unternehmen in unserem Landkreis hinsichtlich der gesellschaftlichen Akzeptanz oder auch bei der Kreditvergabe immer wichtiger. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist die Erstellung einer Nachhaltigkeitsbilanz herausfordernd und sie benötigen hierbei Unterstützung und Anreize.

Wir GRÜNE setzen uns für folgende Punkte ein:

  • Die Kreisverwaltung und die HI-REG werden die Unternehmen bei der Einführung einer Nachhaltigkeitsbilanz unterstützen und bei der Fördermittelakquise hierfür beraten.
  • Um den Anreiz für die Einführung einer Nachhaltigkeitsbilanz zu erhöhen, soll jährlich ein Preis in Höhe von 10.000 € für das Unternehmen mit der besten Nachhaltigkeitsbilanz ausgelobt werden.
  • Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsbilanz sollen zukünftig bei der Auftragsvergabe durch den Landkreis bevorzugt werden.

Lokale Wertschöpfung und Digitalisierung

Für die lokale Wertschöpfung spielt die gegenseitige Unterstützung der kleinen und mittelständischen Unternehmen eine große Rolle. Eigene lokale Label stärken das Bewusstsein unserer Unternehmen untereinander.
Ein Netzwerk der Unternehmen soll genutzt werden, sich gegenseitig sowohl bei Online-Auftritten und Regionalplattformen zu unterstützen.
Die Digitalisierung bei der Kommunikation mit Behörden ist von erheblicher Bedeutung für die Unternehmen bei der Bewältigung der immer stärker von Bürokratie geprägten Wirtschaftswelt.

Wir GRÜNE setzen uns für folgende Punkte ein:

  • Erstellung einer regionalen Internet-Plattform, auf der sämtliche Unternehmen aller Branchen aufgeführt sind
  • Unterstützung durch die HI-REG bei der Vernetzung der Unternehmen untereinander
  • Einführung eines Labels z.B. „Wir aus Hildesheim“
  • Weiterentwicklung einer digitalen Kommunikation mit den Behörden

Windenergie als Booster der lokalen Wirtschaft

Bund und Land geben klare Flächenziele für die Nutzung von regenerativen Energien vor, die es auch in unserem Landkreis umzusetzen gilt. Im Bewusstsein der Bedeutung für Mensch und Natur streben wir GRÜNE eine ausgewogene Raumordnung an, in dem die geltenden Faktoren für alle gleich sind.

Durch die gesetzlichen Vorgaben zur Zahlung von Akzeptanzabgaben an die Dörfer entsteht eine großartige Chance zu einem weiteren Booster zur lokalen Wertschöpfung in den Städten und Gemeinden und deren Haushalten.

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass es Beratungsangebote durch die Kreisverwaltung für mögliche Bürger*innen-Beteiligung und Energie-Genossenschaften gibt, um den Nutzen der Windparks für die Bevölkerung zu optimieren.

Tourismus

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Landkreis, an dem viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt hängen. Er ist auch eine Chance, Nachhaltigkeit und Klimaschutz konkret umzusetzen.

Nachhaltiger Tourismus schützt die Natur, stärkt regionale Wirtschaftskreisläufe und schafft einen echten Mehrwert für die Menschen vor Ort. Er bedeutet weniger klimaschädliche Emissionen, mehr regionale Wertschöpfung, einen schonenden Umgang mit Ressourcen und einen klaren Fokus auf umweltfreundliche Mobilität.

In unserem Landkreis gibt es eine Vielzahl von touristischen Attraktionen. Wir haben z.B. Weltkulturerbestätten, Museen, Landschaft, Flüsse, Wanderwege, Fahrradtouren. Allerdings fehlt trotz der positiven Zusammenarbeit mit Hildesheim Marketing ein zentrales und gemeinsames Erscheinungsbild der Tourismusanbieter im Landkreis.

Wir GRÜNE setzen uns für folgende Punkte ein:

  • Vernetzung und Austausch der einzelnen Orte und Anbieter der Tourismusbranche
  • Erstellung einer gemeinsamen Internet-Plattform für die Vermarktung der Tourismusangebote
  • Gründung eines Tourismusvereins unter Einbeziehung der Gemeinden und der Tourismusanbieter
  • Verbesserung der touristischen Infrastruktur
  • fortlaufende Qualitätsüberprüfung und Pflege der regionalen Fahrrad- und Wanderwege
  • Entwicklung neuer Wanderrouten

Verbraucher*innenberatung

Verbraucher*innenschutz ist eine wichtige öffentliche Aufgabe.
Die wiederkehrenden Skandale um Nahrungsmittel, Tricks bei den Vermarktungsstrategien von Unternehmen im Verpackungsbereich, Vertragsangebote im Finanzbereich und auch die Debatte um die Energiepreise machen deutlich, dass ein professionelles Beratungsangebot für die Bürger*innen dringend notwendig ist. Im Landkreis Hildesheim fehlt es aber am Angebot von Fach- und Einzelberatungen sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Themen.

Die Einrichtung einer Hildesheimer Zweigstelle der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) ist aus unserer Sicht notwendig. Die VZN ist als erfahrener und gemeinnütziger Beratungsverein für Verbraucher*innenberatung bestens geeignet.
Zur Sicherstellung der Finanzierung ist die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis und kreisangehörigen Städten und Gemeinden zu suchen.

Wir setzen uns dafür ein, dass

  • die Kreisverwaltung sich aktiv um die Einrichtung einer Zweigstelle der VZN bemüht.
  • das Personal im Veterinäramt deutlich aufgestockt wird, um Lebensmittelkontrollen engmaschiger durchführen zu können.
  • mehr Transparenz bei den Ergebnissen der Kontrolle eingeführt wird.

Fairer Handel

Der Kreistag hat die Einhaltung der „17 Ziele für nachhaltige Entwicklung“ der UN in seine Hauptsatzung geschrieben, um so sicherzustellen, dass sie grundsätzlich in allen seinen Handlungsfeldern berücksichtigt werden.

Wir wollen auch bei der Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen, dass die Verwaltung zukünftig alle gebotenen Möglichkeiten ausnutzt, um die Einhaltung der UN-Nachhaltigkeitskriterien einzufordern und dabei die zehn Grundprinzipien des Fairen Handels gemäß World Fair Trade Organization berücksichtigen.

Wir setzen uns dafür ein, dass:

  • die Verwaltung alles veranlasst, um Nachhaltigkeitskriterien zukünftig prioritär im Vergabesystem zu berücksichtigen.
  • Informationen zu einem nachhaltigen Beschaffungswesen aufbereitet und über die Klimaschutzagentur an die Öffentlichkeit weitergegeben werden.
  • die Verwaltung Käufer*innen und Importeure fair gehandelter Produkte und Dienstleistungen und ihre Partner dabei unterstützt, in der Lieferkette Praktiken und Transportmöglichkeiten zu schaffen, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen.

Arbeit

In unserem Landkreis besteht wie auch überall anders in Deutschland ein erheblicher Mangel an Fachkräften. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf hilft, diesen Mangel teilweise zu beheben. Auch leben in unserem Landkreis viele gut ausgebildete Geflüchtete und Asylbewerber*innen, die bisher nicht in den Arbeitsmarkt integriert sind. Die Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten Wandel und erfordert von vielen eine stetige Weiterbildung und Umorientierung.

Ein wesentlicher Faktor in der Arbeitswelt ist die Gesundheitsförderung und die Einhaltung von sozialen Standards wie Arbeitszeitregelungen und Arbeitssicherheit.

Wir setzen uns dafür ein, dass:

  • Anreize für die Beschäftigung von Geflüchteten und Asylbewerber*innen geschaffen werden.
  • die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert wird.
  • die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz in der Landkreisverwaltung ausgebaut wird.
  • vorbildliche Betriebe für das Erreichen und Übertreffen der vorstehenden Punkte ausgezeichnet werden.
  • die Einhaltung von sozialen Standards und Tariftreue überwacht wird.
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