Wahlprogramm:
In Hildesheim wohnen und bauen
Hildesheim ist unser Zuhause – und wir wollen, dass es ein Zuhause bleibt, das trägt: mit bezahlbaren Wohnungen und lebendigen Quartieren. Eine Stadt, in der neue Ideen Platz finden, ohne Freiflächen zu verlieren. Wir stellen uns eine Stadt vor, die zusammenhält und in der wohnen, arbeiten und Freizeit nah beieinanderliegen.
Wir gestalten Stadtentwicklung als Zukunftsaufgabe. Das heißt: Innenentwicklung stärken, Wohnraum bezahlbar machen, klimafreundlich bauen und die Wirtschaft dort unterstützen, wo Innovationen entstehen.
Eine nachhaltige Stadtentwicklung ist für uns ökologisch klug, wirtschaftlich verlässlich und sozial gerecht. Sie bündelt Wohnen, Leben, Mobilität und Arbeit – und sie stellt die Menschen in den Mittelpunkt. So entsteht ein Hildesheim, das für kommende Generationen lebenswert bleibt – und heute schon gewinnt.
Grundsätze der Stadtentwicklung
Hildesheim wächst – und mit diesem Wachstum steigen auch die Erwartungen an gutes Wohnen.
Wir wollen, dass Hildesheim eine Stadt ist, in der Wohnen bezahlbar bleibt. Wir wollen eine Stadtentwicklung ohne wertvolle Böden zu verbrauchen und gleichzeitig bestehende Quartiere so zu stärken, dass sie für die Herausforderungen von morgen gut gerüstet sind.
Eine nachhaltige Stadtentwicklung schützt nicht nur die Umwelt, sondern verbessert den Alltag der Menschen in Hildesheim.
Wir stehen für
– Innen- vor Außenentwicklung: Wertvolle Böden zu schützen hat Vorrang. Baulücken, Brachflächen und Leerstände sollen zuerst genutzt werden – mit Augenmaß.
– klimagerechtes Bauen: Sanierungen und Neubauten sollen hohe energetische Standards erfüllen. Dächer und Fassaden wollen wir verstärkt begrünen und für Photovoltaik nutzen.
– soziale und bezahlbare Wohnraumversorgung: Mehr barrierefreie und bezahlbare Wohnungen bei optimaler Flächennutzung.
– lebendige Quartiere: Jede Nachverdichtung braucht Grünflächen, Spiel- und Begegnungsräume sowie barrierefreie Infrastruktur.
– aktive Bodenpolitik: Flächen ankaufen, Vorkaufsrechte nutzen, Erbbaurechte stärken – damit sozialer und nachhaltiger Wohnungsbau möglich wird.
– nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung: Bedarfsorientiert statt flächenintensiv; Vorrang für klimafreundliche, innovative und regional verwurzelte Unternehmen.
– resiliente Stadtplanung: Mehr Grün und Entsiegelung.
– Mobilität mitdenken: Neue Wohngebiete und Gewerbeprojekte müssen gut an den ÖPNV angebunden sein und kurze Wege ermöglichen.
Eine wohnungspolitische Stadtentwicklung, die Hildesheim stärkt
Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf – es ist die Grundlage für ein gutes Leben. Deshalb braucht Hildesheim eine Wohnungspolitik, die Zukunft schafft, ökologisch klug, ökonomisch tragfähig und sozial gerecht ist.
Wir wollen, dass Wohnen in Hildesheim bezahlbar bleibt. Dabei setzen wir auf eine Stadtentwicklung, die vorhandene Potenziale nutzt, Leerstände aktiviert und neue Lösungen möglich macht, statt auf immer neue Baugebiete am Stadtrand zu setzen.
Wir setzen uns ein für
– mehr sozialen und bezahlbaren Wohnraum: Wir wollen mindestens 500 neue Sozialwohnungen bis 2030 – im Neubau und im Bestand um u. a. Familien und Alleinerziehende zu entlasten.
– starke städtische Verantwortung im Wohnungsmarkt: Wir unterstützen den Aufbau einer städtischen Wohnraumagentur, die Leerstände aktiviert, Bürger:innen berät und soziale Wohnformen fördert. So wird Wohnraum schneller nutzbar.
– den Schutz bezahlbarer Mieten: Wir wollen den qualifizierten Mietspiegel weiterentwickeln und wenden die Mietpreisbremse konsequent an. Bezahlbarer Wohnraum muss geschützt statt abgerissen oder spekulativ verkauft werden.
– die Anwendung einer Zweckentfremdungssatzung: Wir setzen auf die Nutzung von Leerstand vor Neubau. Wohnungen dürfen nicht verfallen oder in Ferienwohnungen umgewandelt werden, wenn Menschen dringend Wohnraum suchen.
– Nachverdichtung mit Qualität: Neue Wohnungen sollen dort entstehen, wo Infrastruktur vorhanden ist – immer verbunden mit Grünflächen, Spielräumen und guter Mobilität. So entsteht bezahlbarer Wohnraum ohne zusätzlichen Flächenverbrauch.
Bauen im Bestand und energetische Verbesserung
Hildesheim kann seinen Wohnraum schneller, klimafreundlicher und sozial gerechter weiterentwickeln, wenn wir die Potenziale nutzen, die bereits heute in unseren Stadtteilen stecken: im Bestand, in Leerständen und in Gebäuden, die modernisiert werden können. Bauen im Bestand ist nicht nur nachhaltiger als jederzeit neu zu bauen – es schützt Böden, spart Energie, stärkt Quartiere und schafft Wohnraum dort, wo Menschen bereits leben.
Für uns ist klar: Klimagerechte Sanierung darf niemanden überfordern. Deshalb setzen wir auf Lösungen, die Mieter:innen entlasten und Eigentümer:innen unterstützen. Warmmietenneutralität bleibt unser Ziel: Was modernisiert wird, muss sich im Alltag auszahlen – durch geringere Energiekosten, mehr Komfort und stabile Mieten.
Gleichzeitig wollen wir den Einsatz erneuerbarer Energien im Gebäudebestand voranbringen. Fernwärme, Wärmepumpen, Photovoltaik, Solarthermie und Mieterstrom können Hildesheim unabhängiger, klimafreundlicher und zukunftssicher machen. Damit diese Technologien breite Anwendung finden, braucht es eine aktive kommunale Unterstützung – von Förderprogrammen bis hin zu Beratung für Eigentümer:innen und Unternehmen.
Wir setzen uns ein für
– energetische Sanierungen, bei denen die Mieten nicht stärker steigen dürfen, als Energiekosten eingespart werden.
– Mieter-Solaranlagen und Mieterstrommodelle, damit auch Menschen ohne Wohneigentum von erneuerbarer Energie profitieren.
– ein kommunales Förderprogramm, das Eigentümer:innen bei Dachausbau, Aufstockung, Anbau und Umnutzung unterstützt.
– mehr Nutzung ungenutzter Dachräume für neuen Wohnraum.
– Unterstützung beim Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme wie Fernwärme oder Wärmepumpen.
Wasserkamp – Zukunft verantwortungsvoll gestalten
Wohnungsbau muss dort entstehen, wo er bezahlbar, ökologisch verantwortbar und gut angebunden ist. Ein neuer Stadtteil auf der grünen Wiese erfüllt diese Bedingungen nicht. Der Wasserkamp ist eine über 40 Hektar große Grün- und Ackerfläche in direkter Nachbarschaft zu wertvollen Naturflächen und grenzt unmittelbar an das FFH- und Naturschutzgebiet Am roten Steine, das als Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 unter besonderem Schutz steht.
Ein Baugebiet dieser Größenordnung mit mehreren tausend neuen Anwohner:innen mit ihren Haustieren würde den Nutzungsdruck auf diese sensiblen Flächen erheblich erhöhen und eine Gefährdung von Flora und Fauna mit sich bringen, da ein unkontrollierter Zugang nicht vollständig zu verhindern wäre.
Zugleich verursacht ein solches Projekt hohe Kosten, ohne den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen, führt zu einer großflächigen Versiegelung, die klimapolitisch nicht zu verantworten ist, und erhöht die Verkehrsbelastung im Stadtteil. Darüber hinaus bindet ein solches Großprojekt finanzielle und personelle Ressourcen, die wir für die Stärkung der bestehenden Stadtteile dringend benötigen – für energetische Sanierungen, die Aktivierung von Leerständen, die Entwicklung brachliegender Flächen und die Verbesserung des Wohnumfelds
Wir setzen daher auf eine Stadtentwicklung, die innen wächst statt außen, die Natur schützt, bestehende Quartiere stärkt und den Menschen zugutekommt, die heute schon auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind. Der Wasserkamp ist dafür nicht der richtige Weg. Wir wollen die Ressourcen der Stadt nutzen, statt sie an einem teuren Projekt am Stadtrand zu binden.
Wir stehen für
– Sanierungen, Nachverdichtung mit Augenmaß und die Nutzung von Leerständen.
– bezahlbaren Wohnraum in der gesamten Stadt.
– Schutz der Naturflächen am Stadtrand, die wichtige Lebensräume und kühlende Grünräume für die gesamte Stadt sind.
– verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeld: Großprojekte müssen wirtschaftlich, sozial und ökologisch tragfähig sein – der Wasserkamp erfüllt diese Voraussetzungen nicht.
Innenstadtentwicklung – eine Mitte, die stärkt
Die Hildesheimer Innenstadt ist das Herz unserer Stadt. Wir wollen diese Mitte so weiterentwickeln, dass sie auch in Zukunft lebendig, attraktiv und gepflegt bleibt, dazu gehört, neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.
Die Innenstadt der Zukunft ist für uns ein Ort, der mehr kann als Handel: ein Raum, der Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur verbindet. Ein Ort, der klimafit ist und mit grünen Plätzen und Schatten zum Verweilen einlädt.
Eine besondere Rolle spielt das Galeria-Gebäude. Wir unterstützen die Stadt bei den Eigentümer:innen auf eine Nachnutzung hinzuwirken. Wir wünschen uns den Raum zu öffnen für innovative und vielfältige Nutzungen – von Bildung über Kultur bis zu Wohnen und neuen Arbeitsformen. Ein Gebäude dieser Größe kann die Innenstadt enorm stärken, wenn es zu einem lebendigen Anziehungspunkt wird.
Wir setzen uns ein für
– eine vielfältig genutzte Innenstadt, die Einkaufen, Arbeiten, Wohnen und Freizeit miteinander verbindet.
– neue Begegnungs- und Aufenthaltsorte, die den Stadtraum attraktiver und klimafreundlicher machen.
– die Erweiterung von Sitzmöglichkeiten in der Innenstadt.
– sichere, gut beleuchtete Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität – auch in den Abendstunden.
– die Umgestaltung versiegelter Flächen zu Pocket Parks und grünen Aufenthaltsbereichen wie am Rosenhagen.
– die schrittweise Ausweitung der Fußgängerzonen, damit mehr Raum für Menschen und Begegnung entsteht.
– weniger innerstädtischen Autoverkehr durch den Ausbau von Fahrradstraßen und attraktiven ÖPNV-Angeboten – für mehr Platz, Sicherheit und Ruhe.
– Quartiersstraßen und „Superblocks“, die Aufenthaltsräume schaffen und Fuß- und Radverkehr stärken.
– den Zubau von weiteren Abfallbehältern und eine Verbesserung der Sauberkeit in der Innenstadt.
– kritische Auseinandersetzung mit den Taubenpopulationen der Stadt.
– die Weiterentwicklung des Galeria-Gebäudes zu einem Ort, der Bildung, Kultur, Wohnen und neue Arbeitskonzepte vereint.
– eine enge Zusammenarbeit mit Handel, Gastronomie und Kultur.
– ein kommunales Förderprogramm für lokale Gründer:innen, soziale Initiativen und Kulturprojekte in leerstehenden Räumen.
– die Fortführung des Programms zur Beseitigung von Leerständen, um kreative und soziale Projekte unkompliziert in freie Flächen zu bringen.
– sozial gestaffelte Mietmodelle in städtischem Eigentum, damit Vielfalt in der Innenstadt erhalten bleibt.
Eine lebendige Innenstadt ist die Grundlage für eine starke Stadtgesellschaft – und ein zentraler Baustein für ein Hildesheim, das bleibt.
Raum für Familien, Chancen für die Innenstadt
Gutes Wohnen ist vielfältig – so wie Hildesheim selbst. Deshalb sehen wir den privaten Wohnungsbau als wichtigen Baustein einer lebendigen, sozial gerechten Stadt. Junge Familien wünschen sich Eigentum, ältere Menschen ein barrierefreies Zuhause, das zu ihrer Lebenssituation passt. Wir wollen diese Bedürfnisse zusammenbringen.
Gerade in der Innenstadt ergeben sich aus Umnutzungen, Sanierungen oder den Generationswechsel attraktive Eigentumswohnungen, die bezahlbar sind. Diese Entwicklung unterstützen wir.
Für die Ortsteile sehen wir Möglichkeiten für Einfamilienhäuser – dort, wo sie Gemeinschaft stärken, junge Familien anziehen und die Dorflandschaft erhalten. Entscheidend ist für uns, dass neue Wohnformen das ganze Stadtgebiet im Blick behalten.
Ein zukunftsfähiger Wohnungsmarkt braucht zudem barrierefreie Wohnungen. Viele ältere Menschen würden ihre zu großen Wohnungen oder Häuser aufgeben, wenn es passende Alternativen gäbe. Damit schaffen wir Entlastung für Familien auf Wohnungssuche und stärken gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt. Wir wollen diese Veränderungen aktiv begleiten und Angebote schaffen, die den Umzug erleichtern.
Wir setzen uns ein für
– die Umnutzung von nicht benötigten Gewerbeimmobilien zu modernem und bezahlbarem Wohneigentum.
– ein aktives Grundstücksmanagement in Ortsteilen, damit Wohnen dort möglich bleibt, wo Menschen bleiben wollen.
– klare Vorgaben in neuen Bebauungsplänen für mehrgeschossigen, barrierefreien und bezahlbaren Wohnungsbau.
Dieser Weg schafft Wohnraum, schützt Freiräume und hält Hildesheim als Zuhause lebendig – für alle Generationen.